Mieten und Kaufpreise – Dortmund und Berlin – Auch in diesen Städten tobt der Immobilienwahnsinn

In Deutschland zieht es immer mehr Menschen in die Metropolen. Das lässt die Preise für Wohneigentum rasant in die Höhe schießen. Im Bundesdurchschnitt steigen die Immobilienpreise hingegen langsamer, die Mieten nach einer Analyse teilweise gar nicht mehr.

Hypotheken sind günstig wie nie, alternative Geldanlagen rar: Auch deshalb klettern die Kaufpreise für Wohneigentum in Deutschland munter weiter. Das gilt vor allem für Großstädte, die immer mehr Menschen anziehen.  

Insgesamt lasse die Dynamik beim Preisanstieg bei Wohneigentum aber nach, betonte der Immobilienverband IVD am Donnerstag bei der Vorlage des neuesten Wohn-Preisspiegels in Frankfurt. Für eine bestehende Eigentumswohnung mit mittlerem Wohnwert würden derzeit 1082 Euro pro Quadratmeter gezahlt. Das sind 4,5 Prozent mehr als im Vorjahr, nachdem die Preise 2013 noch um 5,3 Prozent gestiegen seien.  

„Damit liegt das durchschnittliche Preisniveau für Eigentumswohnungenimmer noch zehn Prozent niedriger als vor 20 Jahren“, sagte IVD-Vizepräsident Jürgen Michael Schick. Denn nach dem Immobilienboom der 1990er Jahre seien die Preise für Wohneigentum lange Zeit überproportional zurückgegangen. Erst seit 2010 sei ein Aufholprozess zu beobachten.

Preise in Metropolen

Allerdings verteuern sich Eigentumswohnungen in Großstädten deutlich schneller als im Bundesschnitt – und schneller als im Vorjahr. So koste der Quadratmeter in Städten mit mindestens 500 000 Einwohnern im Schnitt 1689 Euro und damit 9,3 Prozent mehr als vor einem Jahr: Der Vorjahresanstieg lag bei 7,8 Prozent. „Immer mehr Menschen wollen sich mit dem Kauf der eigenen vier Wände von der Entwicklung der Mieten unabhängig machen und nutzen das derzeit niedrige Zinsniveau zum Wohnungskauf. Damit tragen sie zur Aufwärtsbewegung der Kaufpreise für Eigentumswohnungen bei“, sagte Schick. 

Surftipp:

IVD-Präsident Jens-Ulrich Kießling begründet die Entwicklung zudem mit der wachsenden Bevölkerungszahl in den Metropolen: „Der Wohnungsneubau kann damit nicht mithalten – auch wenn das Neubauvolumen in den vergangenen Jahren zugenommen hat.“  

Größter Anstieg in München, Hamburg und Berlin

So stiegen die Preise mit 14,29 Prozent in München erneut besonders kräftig: Nach den IVD-Angaben müssen Käufer dort derzeit 3600 Euro pro Quadratmeter für eine Eigentumswohnung mittleren Wohnwerts bezahlen. Mit großem Abstand auf Platz zwei folgt Stuttgart (2245 Euro, +9,87 Prozent) vor Hamburg (2100 Euro, +10,53 Prozent). Deutlich günstiger bleibt Berlin mit 1750 Euro pro Quadratmeter – allerdings ist die Entwicklung dort rasant (+ 12,9 Prozent). „Die Preise werden weiter steigen, aber sie schießen nicht in die Höhe“, prognostiziert Schick. In einigen Metropolen seien zweistelligen Plusraten allerdings weiterhin möglich. 

 

Hingegen hat sich die Mietentwicklung in Deutschland nach der Analyse spürbar verlangsamt. Im Durchschnitt koste eine Wohnung mit mittlerem Wohnwert – die nach 1949 entstand – derzeit 5,78 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter. Das seien 2,1 Prozent mehr als im Vorjahr, erklärte IVD. Im vergangenen Jahr hatte der Preisanstieg noch bei über drei Prozent gelegen. In vielen Großstädten wie Düsseldorf, Frankfurt und Dresdensowie Bonn und Wiesbaden seien die Mieten gar nicht gestiegen.
 
Ursprünglich veröffentlicht:

Bis zu 7500 Euro je Quadratmeter – FOCUS-Online-Test: Was kosten 80 Quadratmeter Wohnung in deutschen Großstädten?

Der Mietanstieg in den deutschen Großstädten verlangsamt sich, doch zum Kaufen werden Wohnungen immer teurer. Was kostet eigentlich eine Wohnung in Berlin, München und Co.? FOCUS Online hat den Test gemacht.

Wer eine Wohnung kaufen möchte, kommt in deutschen Großstädten mit dem Sparen kaum noch hinterher. Seit Jahren steigen die Preise für Eigentumswohnungen rasant. Die einen kaufen lieber, weil sie steigende Mieten fürchten. Die anderen wittern Inflationsgefahren und wollen ihr Geld in Substanz anlegen. Und in beiden Gruppen wird die Nachfrage durch niedrige Zinsen zusätzlich angeheizt.

Die teuerste Stadt ist und bleibt München. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis lag 2013 bei knapp 4800 Euro pro Quadratmeter. Seit 2008 ist er um knapp 2000 Euro angestiegen. Damals waren die Wohnungen in München mit 2.800 Euro pro Quadratmeter vergleichsweise günstig. Überraschend: Hinter der bayrischen Landeshauptstadt kommt nicht etwa Hamburg, sondern Garmisch-Partenkirchen als zweitteuerste Stadt der Bundesrepublik. Und wer sich in Freiburg eine Wohnung kaufen will, muss im Schnitt auch noch 3.300 Euro pro Quadratmeter auf den Tisch legen.

Bei all diesen Angaben handelt es sich immer um Durchschnittswerte. FOCUS Online wollte es genau wissen und begab sich in den elf größten deutschen Städten auf Wohnungssuche.

Gesucht wurde die folgende Musterwohnung:

– zentral gelegen – möglichst in Innenstadtnähe;

– rund 80 Quadratmeter;

– mit Balkon.

Die Suche erfolgte auf großen Internet-Plattformen wie Immoscout, Immowelt oder großen Regionalportalen.

 

Bekanntheit und Image beeinflussen Kaufpreise

Wer in Berlin wohnen möchte, hat viele Auswahlmöglichkeiten. Allein im Bezirk Mitte gab es in dieser Woche 15 Wohnungsangebote zum Kauf. Zentraler geht es kaum noch.

410.000 Euro kostet in Berlin die teuerste 80-Quadratmeter-Wohnung. Die günstigste liegt bei 220.000 Euro. Der Mittelwert aller dort verfügbaren Immobilien, die den Suchkriterien entsprechen, liegt bei knapp 350.000 Euro. Für die Stadtteile Prenzlauer Berg und Friedrichshain sind ähnlich viele Inserate zu finden. Obwohl die Lage ebenfalls sehr zentral und nicht weit von bekannten Plätzen wie dem Alexanderplatz entfernt ist, sind die Preise hier schon günstiger. Die teuerste Wohnung kostet 387.000 Euro, die Günstigste 149.000 Euro. Der Preisunterschied lässt sich durch Lageunterschiede und Sanierungsstand erklären. Die Durchschnittskosten für eine 80 Quadratmeter Wohnung liegt in diesen drei Bezirken bei rund 290.000 Euro. 

In Hamburg sind Wohnungen in den ausgewählten Kategorien für Preise zwischen 239.000 und 654.000 Euro zu haben. Zwischen Stadtteilen wie St. Pauli, Eimsbüttel oder Uhlenhorst variieren die Preise aufgrund der Bekanntheit und Beliebtheit des Viertels. Der Mittelwert liegt bei knapp 370.000 Euro.

München ist mit Abstand die teuerste Stadt im Test. Günstig kann man hier in der gewählten Kategorie keine Wohnung nennen. 300.000 Euro müssen Interessenten mindestens in die Hand nehmen. Ab 400.000 Euro geht es dann aber erst richtig los. In einzelnen Fällen wird das 80-Quadratmeter-Domizil sogar zu einem stolzen Preis von knapp 600.000 Euro angeboten. Das sind unfassbare 7500 Euro pro Quadratmeter.

 

In Leipzig günstig zu kaufen

Deutlich preiswerter ist der Immobilienerwerb im Ruhrgebiet: knapp 200.000 Euro für eine Wohnung in Dortmund erscheinen direkt passabel. Die Preise hier haben sich in den vergangenen Jahren kaum verändert, Preissteigerungen gab es nur selten.

Von den getesteten Städten fällt besonders Leipzig ins Auge. In den letzten drei Jahren sind die Preise in der Stadt leicht gestiegen. Trotzdem sind die Wohnungen hier im Vergleich zum Bundestrend extrem günstig. Wer ein Budget von 90.000 Euro hat kann dafür schon eine Dreizimmer-Wohnung mit 79 Quadratmetern und Balkon bekommen. Teurer geht es natürlich auch: auf bis zu 250.000 Euro. Im Vergleich zu anderen Städten ist das immer noch ein Schnäppchen.

 

Erstmalig veröffentlicht auf:

http://www.focus.de/immobilien